Was ist Osteopathie?

Es gibt sehr viele und z.T. unterschiedliche Beschreibungen was Osteopathie ist. Die größte Herausforderung besteht hier darin, etwas so komplexes wie die Osteopathie in wenigen Sätzen zu beschreiben. Hinzu kommt dass es nicht so etwas wie nur eine oder die eine Osteopathie gibt. Osteopathie hat sich im Laufe der Zeit verbreitet und verändert . Was aber bleibt ist ihre Herkunft, denn

Osteopathie hat eine Geschichte

Diese ist vor allen in den Anfangsjahren eng verbunden um nicht zu sagen synonym mit der Person der wir die Osteopathie zu verdanken haben: Andrew Taylor Still (1828-1917). Dieser wurde als Sohn europäischer Pioniere geboren. Sein Vater war Methodistenprediger und übte eine Art Volksheilkunde (heroische Medizin) aus. Der kleine AT Still wuchs in der Natur auf und lernte von dieser indem er beobachtete und hinterfragte. Im Laufe seines Lebens machte er auch Kontakte zu Indianern und deren Kultur und Medizin. Im amerikanischen Bürgerkrieg unterstütze er aktiv die Sklavereigegner. Schicksalsschläge begegneten ihm im Laufe seines Lebens immer wieder. Er zerbrach aber nicht an diesen. Vielmehr scheinen sie ihn in seinem Streben nach einer anderen Medizin und Philosophie angespornt zu haben. 1864 verstarben trotz ärztlicher Behandlung innerhalb weniger Tage vier seiner Kinder einer an Meningitisepidemie. Enttäuscht und sich die Frage stellend warum aus medizinischer Sicht manche Menschen erkranken und sogar an der Erkrankung versterben und andere nicht, machte er sich auf die Suche nach einer besseren als der damals üblichen „heroischen“ und „Schulmedizin“. Er begann sich mit den verschiedensten geistigen und philosophischen Einflüssen des damaligen Amerikas zu beschäftigen und verfolgte gleichzeitig die medizinischen Entwicklungen in Europa. Daneben hatte er immer schon ein großes Interesse an mechanischen Maschinen und Vorgängen. Still ging dabei empirisch vor. Er informierte sich, machte sich seine Gedanken, praktizierte und alles was seinen Patienten scheinbar half, wurde in sein entstehendes Konzept der „Osteopathie“ aufgenommen. Alles andere wurde abgelehnt. Als Ergebnis einer langen und intensiven Suche hatte Still eine neue Medizinphilosophie entdeckt, deren „Geburt“ Still auf den 22.06.1874 datiert: die Osteopathie. In seinem Konzept des triune man (der dreifach differenzierten Einheit des Menschen), der Einheit aus Körper, Geist und Seele erkannte er einen von der Schöpfung vollkommenen Selbstheilungsmechanismus. Den Körper nannte er die „Apotheke Gottes“ in der alles vorhanden ist was ihn gesund erhält. So lange die Ver- und Entsorgung mit Blut- und Lymphflüssigkeit stimmt und die Nerven die Strukturen steuern können, funktioniert der Körper optimal. Störungen/Blockierungen hier behindern die Funktion und damit die Selbstheilung. Eine zentrale Rolle spielte in Stills Konzept die Wirbelsäule. Deshalb untersuchte er auch z.B. bei internistischen Erkrankungen die Wirbelsäule und korrigierte dort festgestellte Mobilitätsstörungen damit alles wieder im „Fluss“ war. Medikamente lehnte Still ebenso wie vorschnelle Operationen konsequent ab. Man sollte hier allerdings berücksichtigen dass die damals applizierten Medikamente wie Kalomel (Quecksilberchlorid) sehr aggressiv waren und nicht selten schwere Nebenwirkungen hatten. Auch die Chirurgie war nicht annähernd mit dem heutigen Stand vergleichbar. Nach Still war der Osteopath lediglich ein komplex denkender Mechaniker und die vollkommene Schöpfung der Heiler. Folglich ist der Osteopath niemals direkt für die Heilung verantwortlich, sondern Vermittler zwischen Patient und dem freiem Wirken der Schöpfung. Seine neue Art der Behandlung als Resultat seines Wissens, seiner Erfahrung und seiner Biographie hatte in Kirksville, Missouri wohin es ihn in der zweiten Hälfte seines Lebens verschlagen hatte so große Erfolge dass immer mehr Patienten den „Wunderdoktor“ aufsuchten. Und auch das Interesse seine „Osteopathie“ zu erlernen, wuchs. Auf Drängen von Patienten und sogar einiger Mediziner gründete Still daraufhin 1892 im Alter von 64 Jahren in Kirksville schließlich die erste osteopathische Ausbildungsstätte der Welt, die American School of Osteopathy (ASO). Der beeindruckende Siegeszug der Osteopathie hatte begonnen. 1917, über ein halbes Jahrhundert nach seinem Aufbruch als einfacher Landarzt, stirbt Still als Entdecker einer der bedeutendsten Medizinphilosophien in der Geschichte der Menschheit.

Zusammenfassend

war AT Still ein komplexer Denker. Die Komplexitätstheorie ist „der Forschungsbereich, der sich mit den Systemen beschäftigt, in denen sehr viele unabhängige Agenzien auf sehr viele Weise miteinander agieren.“ (Waldrop 1992). Still sah unseren Körper wie in dieser modernen Definition. Er vertrat den Ansatz dass

  • eine Kombination der einzelnen Systeme (Zirkulation, Atmung, Verdauung, Nervensystem, Bewegungsapparat etc.) die Funktion des Gesamtorganismus aufrechterhält
  • es anpassende und selbstregulierende Systeme innerhalb des Organismus gibt
  • diese Systeme offen gegenüber unserer Umwelt sind und mit dieser interagieren
  • eine wechselseitige Verbundenheit und Interaktion der verschiedenen Komponenten vorliegt

Osteopathie hat eine Philosophie

„Die Ärzte, die den Menschen verstehen möchten, müssen ihn als ein Ganzes betrachten und nicht als Teil eines Flickwerks. Wenn man einen Teil des menschlichen Körpers erkrankt vorfindet, muss man nach der Ursache schauen, welche das Leiden produziert hat und nicht nur nach den äußeren Wirkungen.“ Dieses Zitat ist von Paracelcus (1493-1541), hätte aber genauso gut von Still stammen können. Still hat die Ganzheitlichkeit nicht erfunden, er hat sie aber für die Medizin wiederentdeckt und weiterentwickelt. Während sich die Schulmedizin immer weiter spezialisiert hat und immer neue Fachbereiche entstanden sind, führt die Osteopathie zusammen und versucht, die Gesamtfunktion des Organismus wiederherzustellen. Dabei benutzt sie als Grundlage die gleiche Anatomie und Physiologie wie auch die Schulmedizin. Beide –Schulmedizin und Osteopathie- ergänzen sich im Idealfall zum Wohle des Patienten. Osteopathie ist für mich Komplementärmedizin und nicht Alternativmedizin. Der Unterschied zur Medizin liegt in der Denk- und Vorgehensweise der Osteopathie. Die Medizin fokussiert sich in der Regel auf das Symptom, die Osteopathie sucht nach Auslösern des Symptoms. Diese können manchmal weit entfernt liegen vom eigentlichen Problem. Entsteht irgendwo in unserem Körper eine Störung, hat dies in den meisten Fällen Auswirkungen auf den gesamten Organismus. So kann ein ständig gereizter Magen zu Rücken- oder Nackenschmerzen führen weil die Reizung des Magens über Nerven an die Wirbelsäule weitergegeben wird und es dort zu muskulären, faszialen und gelenkigen Veränderungen kommen kann.
Die Osteopathie teilt den Organismus vereinfacht in drei Systeme ein:

  1. das parieteale System: dies sind alle Strukturen des Bewegungsapparates (die Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bänder)
  2. das viszerale System: die Organe des Brustkorbs (Herz und Lunge) und die Organe des Bauchraumes (Verdauungsorgane, Ausscheidungsorgane, Fortpflanzungsorgane)
  3. das kranio-sakrale System: der knöcherne Schädel inkl. des Kiefergelenkes und die über die Hirnhäute bestehende Verbindung zum Becken (Kreuzbein)

Diese drei Systeme interagieren d.h. sie beeinflussen einander. Dies geschieht über Nerven, über Muskeln und über die sogenannten Faszien. Gibt es eine Störung in einem System, so kann sich dies auf die anderen Systeme ausbreiten. Solche Störungen können extern (von außen) oder intern (von innen) initiiert werden. Ein Beispiel für externe Auslöser sind z.B. Unfälle und Stürze ebenso wie einseitige Berufs- oder Freizeitaktivitäten. Als Folge hiervon kann es zu Problemen im Bewegungsapparat kommen. Bei den Organen gibt es von außen induzierte Störungen v.a. aufgrund von Verwachsungen nach Operationen wie z.B. einer Blinddarmnarbe. Eine Störung der Beweglichkeit und der Funktion der Organe kann aber auch von innen kommen: hier geht es zum einen um die Nahrung die wir unseren Organen zuführen und mitunter zumuten und zum anderen um den Zustand unseres vegetativen Nervensystems. Psycho-emotionale Belastungszustände können sich u.a. negativ auf die Organe auswirken. Steht man unter Stress, kann nicht gut verdaut werden, nicht gut repariert werden, keine Erholung stattfinden. Dauert dies zu lange weil keine Lösungen gefunden werden, belastet das unseren Körper enorm. U.a. wird wenn uns etwas belastet bzw. etwas unbekanntes, unlösbares uns „bedroht“das Immunsystem immer ein bisschen aktiviert. Der Körper wird dann aus angeborenen Strategien heraus dem Immunsystem das „Sagen“ überlassen. Das Immunsystem kennt sich schließlich mit Gefahren aus. Das Immunsystem wird den Großteil der Stoffwechselenergie sich selbst zuweisen und die anderen Systeme runterregulieren. Folge können Verdauungsstörungen wie Reizdarm sein, Schilddrüsenunterfunktionen, Bluthochdruck, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen, Übergewicht usw. Die moderne Lebensweise und hier vor allem die Ernährung und ein allgemeiner Bewegungsmangel birgt ein großes Risiko für die Entstehung typischer chronischer nichtenzündlicher Erkrankungen in sich. So greift eines in das andere. Diese Interaktion zwischen den Systemen ist erst einmal gut gemeint denn der Körper sucht nach der sogenannten Homöostase. Diese bezeichnet die Aufrechterhaltung eines Gleichgewichtszustandes in dem alle Funktionen des Körpers optimal eingestellt sind. Besteht zu lange Ungleichgewicht kann dies zu Funktionsstörungen führen. Wo diese sich manifestieren, ist nicht vorherzusagen. Bei dem einen Menschen sind es Rückenschmerzen, beim anderen sind es Verdauungsstörungen, Sodbrennen, Herz-Rhythmus-Störungen, Menstruationsbeschwerden oder Kopfschmerzen. Dabei kann die auslösende Ursache unter Umständen die gleiche sein.

Zusammengefasst

kann man sagen dass Andrew Taylor Still die Osteopathie als eine „medizinische Erneuerungsbewegung“ ins Leben gerufen hat. Seine Triebfeder war dabei die Unzufriedenheit über die damals herrschende Medizin. Es geht in der Osteopathie nicht ausschließlich um die Anwendung manueller Techniken sondern um eine eigene Betrachtung von Gesundheit und der Entstehung von Störungen.
Auch in der heutigen Zeit gibt es unter den im Gesundheitswesen tätigen und unter den Patienten Unzufriedenheit über

  • eine hohe Spezialisierung in der Medizin. Viele Fachärzte sehen in erster Linie ihren Fachbereich, dabei haben viele Patienten und vor allem die mit chronischen Beschwerden multiple Erkrankungen und Störungen mit z.T. ähnlichen Entstehungsmechanismen.
  • einen stetig steigenden Anteil der Apparatemedizin innerhalb der Diagnostik. Häufig entscheiden bildgebende Verfahren (Röntgen, CT) und Laboruntersuchungen (Bluttests) ob der Patient gesund oder als krank eingestuft wird. Diese Untersuchungen kann man allerdings wie ein Foto sehen, sie stellen eine Momentaufnahme dar. Interessant wäre daraus einen Film zu erstellen und sich die Frage zu stellen wie diese Veränderungen zustande gekommen sind. Zudem sollte beachtet werden dass Blutwerte schwanken (z.B. im Tagesverlauf) und dass Normwerte von Labor zu Labor unterschiedlich sein können. Auch ist bekannt dass wenn der Arzt auf dem Röntgenbild zum Beispiel eine starke Arthrose sieht diese nicht unbedingt Schmerzen verursachen muss. Umgekehrt kann jemand, bei dem keine großen Veränderungen auf dem Röntgenbild zu erkennen sind, so starke Rückenqualen haben, dass er sich kaum noch rühren kann.
  • eine wachsende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Der Patient scheint häufig nicht mehr im Mittelpunkt zu stehen sondern die Frage was abgerechnet und verschrieben werden kann/darf. Budgets für bestimmte Leistungen erhöhen den Druck auf die Mediziner. Damit einher geht:
  • ein Verlust an individueller Betreuung des einzelnen Patienten. Viele Patienten beklagen die mangelnde Zeit die viele Mediziner (eingeengt durch das Abrechnungssystem) für sie haben.
Diese Punkte die zu Unzufriedenheit geführt haben, versuche ich, aufzugreifen und „anders“ auf den Patienten zu- und mit ihm umzugehen. Wie lesen sie hier:

Zum ersten Mal beim Osteopathen? Was sie bei mir erwartet?

Es gibt nicht so etwas wie „die Osteopathie“ oder eine bestimmte osteopathische Vorgehensweise. Vielmehr lebt die Osteopathie von einer enormen Diversität an Modellen, Sichtweisen und Techniken. Jeder Osteopath hat so seine ihm eigene Vorgehensweise. Ich beschreibe ihnen hier was sie bei einem ersten Termin bei mir erwartet:

  • kommen sie wenn möglich zehn Minuten vor dem eigentlichen Termin. Dann haben sie genügend Zeit um einen Fragebogen auszufüllen in dem u.a. Dinge erfragt werden wie
    • allgemeine Angaben wie Adresse, Alter, Versicherung
    • medizinisch relevante Informationen wie Vorerkrankungen, Operationen und Medikamente
  • ihnen wird ein Behandlungsvertrag vorgelegt der u.a. Informationen enthält wie
    • Kosten einer Behandlung
    • den Hinweis dass sie Selbstzahler sind
    • den Hinweis dass nicht rechtzeitig (24 Stunden vorher) abgesagte Behandlungstermine in Rechnung gestellt werden können
    • die Beschreibung von Kontraindikationen und Risiken einer Behandlung
    • Kündigung des Vertrages
Nach diesen organisatorischen Notwendigkeiten geht es im Behandlungszimmer weiter mit dem Anamnese-Gespräch, der körperlichen Untersuchung und der Behandlung.

In der Anamnese erhalten sie Gelegenheit ihren Konsultationsgrund zu beschreiben. Meist handelt es sich um Beschwerden im Sinne von Schmerzen. Wichtig sind u.a. Informationen wie:
  • wie lange haben sie die Beschwerden?
  • wo sind die Beschwerden?
  • wann treten sie auf?
  • wodurch werden die Beschwerden schlimmer oder besser?
  • usw.
Die Osteopathie arbeitet nicht symptomatisch sondern kausal. Deshalb versuche ich mir ein Bild zu machen von ihrer „Krankengeschichte“. Dazu können Fragen zu verschiedensten Systemen gestellt werden wie:
  • Atemwegserkrankungen oder –störungen
  • Allergien
  • Herzerkrankungen
  • Störungen/Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (z.B. Durchfälle, Verstopfungen, Sodbrennen etc.)
  • Störungen/Erkrankungen des uro-genitalen Traktes (z.B. Veränderungen des Harnverhaltens, Menstruationsbeschwerden, Blasenentzündungen, Nierenbeckenentzündungen etc.)
  • Störungen/Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren Systems
  • hormonelle Störungen/Erkrankungen u.a. der Schildddrüse
  • usw.
daneben können von Bedeutung sein:

  • ärztliche Voruntersuchungen wie Befunde aus (aktuellen) Blutuntersuchungen, bildgebenden Untersuchungen (Röntgen, CT, MRT)
  • Auflistung von Operationen in der Vergangenheit
  • schwerere Unfälle in der Vergangenheit
  • Medikamenteneinnahme

Um das Bild zu komplettieren, können je nach Beschwerdebild auch Fragen zu ihrem Beruf, zu Hobbies, zu ihrer momentanen Belastungssituation (beruflich, privat), zu Lebensgewohnheiten (Ernährung und Bewegung) gestellt werden. Einige dieser Fragen stelle ich gerne auch später im weiteren Verlauf der Untersuchung und Behandlung. Wichtig ist mir dass sie mir vertrauen. Deshalb gilt für mich: sie müssen mir nicht alles erzählen aber sie dürfen es! Nach dem Anamnesegespräch folgt die körperliche Untersuchung. Diese kann bei Indikationsstellung auch z.B. das Messen des Blutdrucks oder die Durchführung von medizinischen Ausschlusstests (z.B. das Testen von Reflexen) beinhalten. Hierdurch versuche ich, Hinweise auf das Vorliegen von strukturellen Störungen (Erkrankungen im schulmedizinischen Sinne) zu erhalten. Sollten sich für mich in dem Gespräch und/oder in diesem Teil der Untersuchung solche Hinweise finden, empfehle ich ihnen i.d.R. zwecks Abklärung den Besuch eines (Fach)Arztes. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt im allgemeinen auf der manuellen (mit den Händen durchgeführten) Befunderhebung. Dabei geht es wie auch in der Anamnese einmal lokal um die Region in der sie ihre Beschwerden haben. Ich möchte herausfinden von welchen Strukturen/Geweben ihre Beschwerden herrühren. Dann lässt sich gezielt hieran arbeiten. Zum anderen geht es in der global denkenden Osteopathie aber auch um die Frage was letztlich alles zur Entstehung dieser Beschwerden beigetragen hat. Die allermeisten Beschwerden entstehen aufgrund eines Missverhältnisses zwischen Belastung und Belastbarkeit. Manchmal ist ganz einfach die Belastung zu hoch aber häufig liegt das Problem in einer verringerten Belastbarkeit. Deshalb werden sie bei mir fast immer von Kopf bis Fuß und in allen Systemen manuell untersucht. Wussten sie dass Erkrankungen und Störungen des Magen-Darm-Traktes und der Atemwege eine signifikante Korrelation zum Auftreten von Rückenschmerzen haben? Dies wurde in groß angelegten australischen Studien nachgewiesen (Smith et al., 2008 und 2009). Unser Bewegungsapparat steht in einer wechselseitigen Beziehung zu den Organen. Organstörungen können die Funktion des Bewegungsapparates beeinträchtigen und umgekehrt. Unser Körper denkt und handelt nicht in Systemen sondern hat immer die Gesamtfunktion des Organismus vor Augen. Dabei reagiert er auf unsere Umwelt und auf interne Reize, u.a. aus der Nahrung. Unser Körper hat sich evolutionär entwickelt weil wir uns bewegt haben bzw. uns bewegen mussten und weil er die für unsere Art wichtigen Makro- und Mikronährstoffe erhalten hat. Unser Körper ist konzipiert für Bewegung. Dementsprechend ist das wonach wir in der Osteopathie suchen und was wir als Funktionsstörung bezeichnen, eine verringerte Beweglichkeit. Dieser Mobilitätsverlust geht i.d.R. einher mit einer veränderten Gewebespannung und –elastizität. Diese versuche ich tastend zu finden. Nach der Untersuchung gehe ich in der ersten Sitzung in den meisten Fällen direkt über zur Behandlung. Bei der Behandlung korrigiere ich all das, was mir für eine Besserung am wichtigsten erscheint. Am Ende der ersten Sitzung erkläre ich ihnen meinen Behandlungsplan. Ich erläutere ihnen was ich „gefunden“ habe und was, wie miteinander zu tun hat. Aus meiner langjährigen Erfahrung heraus habe ich den Eindruck gewonnen, dass viele Beschwerdebilder mit verursacht oder zumindest verstärkt werden durch unsere Lebensweise. Die Ernährung, regelmäßige Bewegung und unser geistiges Wohlbefinden sind Faktoren die uns gesund erhalten aber auch krank machen können. Diesbezüglich gebe ich neben der Arbeit mit meinen Händen wenn es mir wichtig erscheint Empfehlungen und Tipps. Nicht alle Patienten profitieren von einer osteopathischen Behandlung. Sollte ich aus meiner Erfahrung heraus der Meinung sein dass meine osteopathische Herangehensweise ihnen mit ihrem speziellen Krankheitsbild nicht helfen kann, so kommuniziere ich das offen und ehrlich mit ihnen. Akute Beschwerden ohne lange Krankheitsgeschichte profitieren häufig sehr schnell manchmal schon nach einer Behandlung. Patienten mit chronischen Beschwerden brauchen nicht selten mehrere Sitzungen und hin und wieder mal eine „Auffrischung“.

arbeite ich gerne mit Empfehlungen zu Ernährung und Bewegung und versuche herauszufinden ob und inwieweit psycho-emotionale Belastungen zur Entstehung der Beschwerden beigetragen haben. Ich nutze die Ernährung und Bewegung als natürliche Medizin und bin überzeugt von deren Heilkraft. Da wo es meiner Meinung nach angezeigt ist und nach Abstimmung mit dem Patienten, setze ich zusätzlich auf die Wirksamkeit von pflanzlichen und ortho-molekularen Nahrungsergänzungsmitteln.

Warum?

Im Laufe der vielen Jahre, die ich nun als Osteopath arbeite, habe ich immer mehr den Eindruck gewonnen, dass die meisten Beschwerdebilder verursacht oder zumindest verstärkt werden durch unsere Lebensweise. Auf der Suche nach Erklärungsansätzen für diese Hypothese bin ich zunächst auf die Evolutionäre Medizin gestoßen. Hierunter versteht man ein noch junges Teilgebiet der Medizin, das die Erkenntnisse aus der modernen Evolutionsbiologie nutzt, um menschliche Krankheiten besser zu verstehen und zu heilen. Diese Sichtweise auf Gesundheit und die Entstehung von Krankheiten bildet eine der Grundlagen für die kPNI (klinische Psycho-Neuro-Immunologie). Die kPNI stellt den Mensch wieder in den Mittelpunkt und sucht Ressourcen-orientiert nach Lösungen für mehr Flexibilität und damit Gesundheit und Lebensfreude. Schritt für Schritt wird mit dem Patienten ein Plan entworfen, der dies zum Ziel hat. Und dabei gilt das so einfach klingende und doch so wirkungsvolle Motto: die kleinste Änderung macht den größten Unterschied. Gearbeitet wird mit verschiedensten Methoden und Werkzeugen, integriert werden wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Bereichen der Psychologie, Neurologie, Soziologie, Endokrinologie und Immunologie. Es geht vor allem diagnostisch um die Fragen:

  • warum und wodurch ist eine Störung/Erkrankung entstanden?
  • wie funktioniert es d.h. welche Mechanismen stecken dahinter?
  • was kann ich dagegen tun?

Die Therapie setzt an den gleichen Stellen wie die Diagnostik an. Alles was die Wirkungsmechanismen, die zur Entstehung der Störung geführt haben, positiv verändert, kann sinnvoll angewendet werden. Dies können Empfehlungen sein bezüglich Ernährung und Bewegung, Stressreduzierung und Verhaltensänderungen ebenso wie die Anwendung pflanzlicher und ortho-molekularer Substanzen.

In den nachfolgenden Abschnitten habe ich versucht, meine Erkenntnisse zu beschreiben, die ich im Laufe meiner Tätigkeit in der Heilkunde/Osteopathie und meiner noch laufenden Aus- und Weiterbildung in der kPNI gewonnen habe.

Unser Körper hat immer die Gesamtfunktion des Organismus vor Augen. Dabei beobachtet er den Zustand der „äußeren Welt“ sprich unserer Umgebung und unserer „inneren Welt“ wie Blutzusammensetzung, Energievorräte, Verdauung, Herzschlag, Krankheitserreger, Darmflora usw. Falls notwendig reagiert er auf einige dieser Reize, vor allem auf potenziell schädigende, bedrohliche Reize von außen oder von innen. Dies tut er indem er Anpassungen vornimmt in der Aktivität des Stoffwechsels, des Immunsystems sowie des Nervensystems und hier vor allem des Gehirns und somit unseres Denkens und Handelns. Ein plausibles Beispiel ist ein Infekt mit z.B. dem Grippevirus: das Immunsystem wird in diesem Falle aktiver und es benötigt nun mehr Stoffwechselenergie. Diese zieht es mit bestimmten Strategien zu sich hin. Diese fehlt nun in anderen Systemen u.a. im Gehirn. Wir fühlen uns müde, niedergeschlagen, fast ein wenig depressiv und sind in einem solchen Zustand nicht besonders entscheidungsfreudig oder Zukunftspläne schmiedend. Unser Stoffwechsel wird neu geregelt: um Energie zu sparen bzw. dem Immunsystem zu überlassen, wird u.a. der Bewegungsapparat vernachlässigt. Wir fühlen uns körperlich schlapp und haben Mühe uns zu bewegen weil der Muskelstoffwechsel heruntergefahren wird. Wir haben in dieser Phase häufig wenig Appetit. Nahrungsaufnahme und Verdauung würden Energie kosten, die braucht aber jetzt das Immunsystem. Dieses zehrt von den Vorräten und von der Tatsache dass unser Körper in der Leber (und den Nieren) aus vor allem Eiweiß- und Fettbestandteilen Glukose als Energielieferanten für ein aktiviertes Immunsystem herstellen kann. Nach einem überstandenen Infekt haben wir nicht selten sehr großen Appetit auf vor allem energiedichte Nahrungsmittel. Wir wollen unsere Vorräte wieder auffüllen.

Manchmal gerät der Körper bei den Anpassungen etwas aus der Balance (der sogenannten Homöostase). Geschieht dies für einen zeitlich begrenzten Zeitraum, hat dies i.d.R. keine nachteiligen Auswirkungen. Dauert der Zustand (zu) lange, können negative Folgen für unsere Gesundheit entstehen. Es kann letztendlich ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit entstehen. Für eine gute Belastbarkeit sorgen regelmäßige Erholungsphasen, gute Ernährung, erholsamer Schlaf, regelmäßige Bewegung, Dinge, die einem Freude bereiten usw. In die Kategorie Belastung fallen vereinfacht Dinge, die wir nur ungern machen, die uns Energie kosten, die uns sprichwörtlich ermüden lassen, die nicht gelöst werden (können), die wir schon lange mit uns herumtragen. Stellt man sich eine Balkenwaage vor mit auf der einen Waagschale die belastenden Dinge und auf der anderen Seite die Belastbarkeit fördernden Dinge dann darf die Waage sicherlich mal in Richtung Belastung ausschlagen, dies sollte nur nach Möglichkeit nicht zu lange dauerhaft oder allzu häufig der Fall sein. Ansonsten verliert der Körper seine Flexibilität weil die Mechanismen die uns zum Gleichgeweicht zurückführen sollen mit der Zeit erschöpfen. Gesund sein bedeutet flexibel sein: geistig (psychologisch), vom Stoffwechsel her (metabolisch) und vom Immunsystem her (immunologisch).
Je nach Situation und Notwendigkeit wird also die Stoffwechselenergie verteilt und bestimmten Organ-Systemen zur Verfügung gestellt. Im Idealfalle ist es unser Gehirn das die meiste Stoffwechselenergie „ziehen“ darf. Ca. 23% unseres Stoffwechsels in Ruhe ist für das Gehirn bestimmt. Dieses Organ scheint also außergewöhnlich wichtig zu sein. Gemeinsam mit dem Gehirn verbrauchen die inneren Organe (Leber, Darm, Herz und Niere) 68% (!) unserer Energie, machen aber nur 6,9% unseres Körpergewichts aus. Unser Körper verbraucht in Ruhe pro Tag etwa 1500 kcal -Männer- bzw. etwa 1400 kcal -Frauen-. Einen Sonderstatus hat das Immunsystem. Ein nicht aktiviertes Immunsystem ist nicht besonders „teuer“, es verbraucht gerade mal 86 kcal in 24 Stunden. Bei einer schweren Infektion mit Fieber durch z.B. den Grippevirus kann der Verbrauch auf bis 2000 kcal pro Tag steigen. Die Strategie dem aktivierten Immunsystems mehr Energie zur Verfügung zu stellen, hat uns Menschen in der Entwicklung zum Homo sapiens millionenfach das Leben gerettet. Und weil diese Strategie so erfolgreich war, gab es keine Notwendigkeit andere Mechanismen zu entwickeln. Unser Körper löst also immer noch bei jedweder Gefahr eine Aktivierung des Immunsystems aus, aber nicht immer gleich stark. Bei einer größeren Infektion mit z.B. dem oben beschriebenen Grippeerreger kommt es zu einer großen Aktivierung. Diese zeigt sich u.a. in einer erhöhten Körpertemperatur. Auch lokale Entzündungen nach z.B. Verletzungen können einhergehen mit den typischen Zeichen einer „heißen“ Entzündung (Rötung, Schwellung, Schmerz, Erwärmung, Funktionseinschränkung). Solche Prozesse sind normal und beabsichtigt denn die Entzündung stellt den Beginn der Reparatur dar. Die Entzündung signalisiert dem Immunsystem wo die Immunzellen hin sollen, wo „aufzuräumen“ ist und somit die Voraussetzungen für eine Reparatur geschaffen werden sollen. Immer mehr Menschen können die Entzündungsreaktion zwar in Gang setzen aber nicht mehr gut beenden. Man könnte es so formulieren: unsere moderne Lebensweise ist potenziell entzündungsfördernd. Dies führt dann aber nicht zu einer großen, „heißen“ Entzündung sondern zu dem was man eine „kalte“ oder englischsprachig „low-grade inflammation“ (niedriggradige Entzündung) nennt.

Zusammengefasst

Stress entsteht wenn Gefahr droht oder tatsächlich vorhanden ist. Dies führt zu einer Aktivierung des Immunsystems. Dieses System zieht und verbraucht dann mehr Stoffwechselenergie.

Der Körper muss diesem System nun schnell Energievorräte zur Verfügung stellen. Dies sind Glukose (als der Nährstoff für ein aktiviertes Immunsystem) und zusätzlich Wasser und Natrium. Dies geschieht vor allem im Darm. Der Darm wird „durchlässiger“ um schneller mehr Nährstoffe in die Blutbahn zu bringen. Mit den Nährstoffen kommt es zu einer Translokation („Ortsveränderung“) auch anderer „unerwünschter“ Bestandteile des Darminneren (u.a. Bakterien) und die treffen auf eine zweite Verteidigungslinie vor der Blutbahn, die aus Fett- und Stammzellen besteht. Diese werden zu Immunzellen aktiviert und lösen lokale und systemische Entzündungsreaktionen aus, was wiederum das Immunsystem aktiviert. Durch eine solche „Endotoxämie“ kann eine chronische Entzündung entstehen. Ein dauerhaft aktives Immunsystem in Kombination mit einer „niedriggradigen Entzündung“ wird als auslösender Faktor bei der Entstehung vieler, um nicht zu sagen der meisten chronischen, nicht übertragbaren Erkrankungen gesehen.
Soweit ist dieser Mechanismus in uns angelegt und äußert sinnvoll. Es sein denn, dieser Zustand hält an. Wirken die Stressoren zu lange, werden Probleme nicht gelöst, bleibt das Immunsystem dauerhaft im Hintergrund aktiv und zieht die Energie zu sich wodurch sie in andern Systemen fehlt. Folge können Störungen und sogar Erkrankungen in den anderen, vernachlässigten Systemen sein (Verdauungsstörungen, Hautveränderungen, Muskelschwäche/-schmerzen, Zyklusprobleme, Libidostörungen, Stimmungsschwankungen u.v.m.)

Fazit

Vieles deutet darauf hin, dass wir länger gesund d.h. ohne chronische Erkrankungen leben können, wenn wir wieder ein bisschen mehr so leben wie wir immer gelebt haben. D.h. das essen, was wir immer schon gegessen haben, uns so bewegen, wie wir uns immer schon bewegt haben und uns so verhalten, wie wir uns immer schon verhalten haben.

Der (r)evolutionäre Ansatz

Unser Körper hat sich evolutionär zu dem entwickelt was er heute ist. Und frei nach dem Motto „you can take man out of the stone age but not the stone age out of man“ trägt er die Spuren der Vergangenheit deutlich in seinen Genen und der Art und Weise wie diese abgelesen werden, aktiviert werden bzw. ausgeschaltet bleiben. Hier hat das Forschungszweig der „Epigenetik“ bahnbrechende, neue Erkenntnisse geliefert. Die in uns angelegten Reaktionsmechanismen sind alt, sehr alt. Und wir werden so schnell wahrscheinlich keine neuen entwickeln. Ein möglicher Schritt in Richtung Gesundheit könnte also sein, wieder artgerechter zu leben. So wie wir es als Sammler-Jäger –erfolgreich im Sinne von Fortpflanzung, Weiterentwicklung, Wachstum (vor allem des Gehirns)- im Paläolithikum (Beginn vor ca. zwei Millionen Jahren - Ende ca. 10 000 v.Chr.) und somit vor der industriellen Revolution (Ende 18. und 19. Jahrhundert) und vor der neolithischen Revolution (etwa 12.000 v.Chr.) getan haben.
Was von der ursprünglichen, „alten“ Lebensweise könnte uns heute weniger anfällig machen für die typischen chronischen nichtübertragbaren Erkrankungen der zivilisierten, westlichen Welt wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 2 Diabetes, Atemwegserkrankungen, psychische Störungen, entzündliche Erkrankungen des Darms wie M. Crohn und Colitis ulcerosa, Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Schilddrüsenerkrankung, Degenerationen des Bewegungsapparates wie Arthrosen, neuro-degenerative Erkrankungen wie Alzheimer? Laut WHO, Regionalbüro für Europa (www.euro.who.int) sind nichtübertragbare Erkrankungen für 86% aller Todesfälle und 77% der Krankheitslast in der Europäischen Region der WHO verantwortlich.
Was sich in der jüngeren Geschichte des Menschen in den letzten ca. 10.000 Jahren und in zunehmendem und außergewöhnlich schnellem Maße in den letzten Jahrzehnten zum Anormalen verändert hat, ist:

  1. unsere Ernährung
    • von divers mit vielen unterschiedlichen v.a. Pflanzen zu einseitig mit einem hohen Getreideanteil (Brot, Nudeln) und viel weniger Variationen und Abwechslung
    • von frisch und selbstgepflückt/-gezüchtet zu Fertigprodukten mit fehlenden und/oder den falschen Inhaltsstoffen
    • von Zeit zum Essen zu „Essen to go“
    • von ab und an tierisches Eiweiß von wild lebenden, sich bewegenden Tieren zu Massentierhaltung und zu häufigem Fleischkonsum
    • von regelmäßiger Nahrung aus dem Meer oder Seen oder Flüssen zu deutlich weniger Verzehr von solcher Nahrung zugunsten von mehr Fleisch-, Milch- und Getreideprodukten
    • von ab und an mal Mangel und ein bisschen Hunger zu Überfluss mit zu viel, zu oft und zur falschen Zeit essen
    • von entzündungshemmenden Nährstoffen wie die mehrfach ungesättigten Omega 3 Fettsäuren zu einem immer größer werdenden Anteil entzündungsfördernder Nährstoffe wie die Omega 6 Fettsäuren
  2. unser Bewegungsverhalten
    • vom sich bewegenden (weil er es musste) Erfolgsmodell Homo sapiens zum sitzenden Menschen mit allen negativen gesundheitlichen Folgen
    • aktuellen Studien zufolge ist „Sitzen das neue Rauchen.“ Die WHO stuft körperliche Inaktivität –und Sitzen ist Inaktivität- als viertgrößte der vermeidbaren Todesursachen ein.
    • Bewegen ist nicht eine nützliche Zugabe um die Gesundheit zu verbessern sondern die Voraussetzung für ein normales Funktionieren des Menschen
    • wir machen uns unseren Alltag immer bequemer und die Notwendigkeit sich zu bewegen, wird immer kleiner
  3. unsere Stressoren
    • von Gefahren mit denen wir uns entwicklungsgeschichtlich häufig auseinandersetzen mussten wie Kälte, Hitze, Hunger, Durst, Krankheitserreger, Verletzungen usw. zu sehr viel neuzeitlichem und vor allem chronischen Stress wie Unzufriedenheit mit/auf der Arbeit, mit der Bank, in partnerschaftlichen Beziehungen, in der Erziehung, durch Lärm, durch Reizüberflutung (Mobiltelefon, TV) usw.
    • von kurzfristigen Aktivierungen des Immunsystems durch altbekannte Stressoren zu langfristigen (Über)Reaktionen des Immunsystems. Denn so lange das „Problem“ nicht gelöst ist, bleibt das Immunsystem aktiv und klaut den anderen Körpersystemen die Energie.
    • nicht selten haben wir mehrere „Baustellen“ gleichzeitig wozu uns scheinbar adäquate Lösungsstrategien zu fehlen scheinen
  4. unsere Rhythmen
    • früher hat das Tageslicht unseren Rhythmus bestimmt. Durch elektrisches Licht konnten wir die Tageszeit künstlich verlängern. Dies und der Einsatz von PC´s, Smartphones, Tablets mit ihrem hohen Blaulichtanteil und hier vor allem Abends können den Schlaf beeinflussen und zu einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus führen und die nächtliche Erholung stören.
    • Dauerhafter Stress führt zu einer dauerhaft hohen Produktion von u.a. Cortisol. Der Pegel schwankt nicht mehr wie vorgesehen in einem Tagesrhythmus. Auch dies kann den Schlaf stören weil hierdurch zur Nacht hin weniger Melatonin („Schlafhormon“) produziert wird. Irgendwann reagieren unsere Rezeptoren nicht mehr auf das Cortisol und unsere Stresssensitivität und –toleranz ändert sich. Wir sind nicht mehr so stressbeständig. Dies kann körperliche und seelische Auswirkungen haben.
    • Menschen in Schichtdiensten wird ein Rhythmus aufgezwungen der nachteilige Auswirkungen haben kann.
    • all dies kann zu zu wenig bzw. einem nicht mehr erholsamen Schlaf führen
  5. unsere Darmflora
    • die Erkenntnisse über die Wichtigkeit der ca. 1,5 kg (!) schweren Darmflora bei der Aufrechterhaltung eines gesunden Organismus wachsen stetig:
      • sie „hilft“ bei der Verdauung
      • sie bildet manche Vitamine (u.a. das für die Blutgerinnung wichtige Vitamin K) und Fettsäuren, letztere werden besonders von den Darmschleimhautzellen als Energiequelle genutzt
      • sie stellt eine Barriere dar die Keime und Krankheitserreger abtöten bzw. dafür sorgt dass diese sich nicht ansiedeln können
      • vor allem im frühen Kindesalter ist sie ein wichtiger Trainingspartner für das menschliche Abwehrsystem, indem sie hilft gutartige von bösartigen Keimen oder Eiweißen unterscheiden zu lernen
      • sie scheint das Körpergewicht beeinflussen zu können
      • sie ist an der Verstoffwechslung der Nahrung und somit an der optimalen Nährstoffverwertung beteiligt
      • sie steht in Verbindung zum Gehirn. Eine Schädigung der Darmflora scheint daher auch die Entstehung psychischer Erkrankungen zu begünstigen.
      • sie scheint Unterstützung und Training für das Immunsystem zu sein
  6. Belastung durch Umweltgifte